Montag, 16. Juli 2012

Psychische Gesundheit?


Gesundheit in Deutschland

Ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland leidet an einer psychischen Störung. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Gesundheitsuntersuchungssurvey (DEGS) des Robert-Koch-Institutes (RKI), dessen erste Ergebnisse im Juni 2012 vorgestellt wurden.

Die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS) ist Teil des Gesundheitsmonitorings des Robert-Koch-Instituts (RKI). Als kombinierte Quer- und Längsschnitterhebung erfasst sie bundesweit repräsentative Daten zur gesundheitlichen Lage der erwachsenen Bevölkerung. Im Rahmen dieses umfassenden Forschungsprojektes ging ein Psychologenteam der Technischen Universität Dresden (TUD) unter Leitung von Prof. Hans-Ulrich Wittchen der Frage nach, wie es um die psychische Gesundheit der Erwachsenen in Deutschland bestellt ist.
Dem derzeitigen Auswertungstand nach nehmen die Dresdner Psychologen an, dass pro Jahr etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung im Alter von 18 bis 80 Jahren an einer psychischen Störung erkrankt. Mit 45 Prozent ist die 12-Monats-Prävalenz in der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen am höchsten. Damit sind die Prävalenzraten – verglichen mit Studienergebnissen aus dem Jahr 1998 – unverändert hoch.


Frauen sind am häufigsten von Angststörungen (Panikstörung, Generalisierter Angststörung, Phobien) sowie depressiven und somatoformen Erkrankungen betroffen. Bei Männern hingegen treten am häufigsten Suchterkrankungen (vor allem Alkoholsucht) sowie Angst- und depressive Störungen auf. Nach wie vor leiden Frauen etwas häufiger an psychischen Störungen als Männer – allerdings scheint der Unterschied zu schwinden.


Trotz des hohen Leidens- und Behinderungsausmaßes – psychische Störungen sind mit einem überaus hohen Risiko an Fehltagen und Krankschreibungen verbunden – ist die „Behandlungsrate“ erschreckend gering: Nur etwa 30 Prozent aller Betroffenen suchten aufgrund ihrer Erkrankung Kontakt zum Versorgungssystem. Da in diese Schätzung zudem auch einmalige Besuche bei nicht spezialisierten Ärzten eingehen, muss nach Einschätzung der Dresdner Psychologen davon ausgegangen werden, dass nur wenige Betroffene adäquat behandelt werden.

Überwiegend beginnen psychische Störungen den Daten zufolge bereits vor dem 18. Lebensjahr und münden – bei fehlender frühzeitiger Behandlung – bei mehr als einem Drittel der Betroffenen in langjährige chronische Verläufe mit vielfältigen Komplikationen. Tatsächlich deuten die Zahlen darauf hin, dass Früherkennung und adäquate Frühinterventionen eher die Ausnahme als die Regel sind. Wenn eine Intervention erfolgt, setzt diese im Mittel erst viele Jahre nach Krankheitsbeginn ein – zu einer Zeit also, in der die Grunderkrankung bereits durch vielfältige Zusatzerkrankungen kompliziert beziehungsweise chronifiziert sein kann.

RKI und TUD planen, in den nächsten Jahren schrittweise vertiefende Analysen der erhobenen Daten vorzulegen und diese gegebenenfalls durch Nachuntersuchungen zu erweitern.
Literatur
Kuhrt, B.-M. (2012). Erste Ergebnisse aus der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS). Bundesgesundheitsbl 2012.
DOI 10.1007/s00103-011-1504-5
Quelle: Robert-Koch-Institut, Technische Universität Dresden und Report Psychologie

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